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Atmende Außenwände


Vom Irrglaube, daß Wände atmen müssen

„Wände eines Hauses müßten atmen, damit sich die Luft im Haus erneuern kann“ – diese Vorstellung geht auf einen Irrtum von Max von Pettenkofer zurück. Dieser stellte nach vermeintlichem Abdichten sämtlicher Fugen und der darauffolgenden Luftwechselmessungen in einem Raum fest, daß die Luftwechselrate weniger als erwartet gemindert wurde. Er erklärte dies durch einen erheblichen Luftaustausch durch die Ziegelwände hindurch.

Daß Ziegel, Luftkalkmörtel und ähnliche poröse Baustoffe tatsächlich luftdurchlässig sind, demonstrierte er durch einen Versuch: Pettenkofer dichtete ein nur wenige Zentimeter großes zylindrisches Probestück seitlich ab und setzte diesem an der Stirnseite einen kleinen Trichter auf. Durch diesen kleine Trichter hindurch blasend löschte er so eine Kerze aus.

Pettenkofer schlußfolgerte, daß der Luftaustausch durch die Zimmerwände hindurch einen wesentlichen Beitrag zur Reinigung der Raumluft beiträgt. Nasse Wände hingegen behindern den Luftwechsel und erzeugen deswegen ein ungesundes Wohnklima.

Daß der beste Schutz vor Hausschimmel und der beste Beitrag für ein hygienisches und behagliches Wohnverhältnis im Idealfall eine diffusionsdichte Gebäudehülle ist, diese Erkenntnis ist neueren Datums und hat sich bis heute noch nicht überall in der konservativen Baubranche durchgesetzt. Eine diffusionsdichte Gebäudehülle jedoch erfordert eine hocheffiziente Dämmung. Vielleicht ist die Tatsache, daß herkömmliche Dämmstoffe dies nur schwer erreichen auch ein Grund dafür, daß oftmals der Irrglaube von der atmenden Hauswand propagiert wird.

Begriffserklärung "Atmende Außenwände"

Ungedämmte Außenwände aus Mauersteinen werden oftmals als „atmende Außenwände“ bezeichnet. Ihnen wird angedichtet, sie könnten Feuchte- und Schimmelschäden vermeiden helfen und ein gutes Innenraumklima sicherstellen. Mit dem Begriff „atmende Wände“ ist nicht der direkte Luftaustausch durch die Wand hindurch gemeint, sondern die Diffusion des Wasserdampfes durch das Mauerwerk. Über Wasserdampfdiffusion werden jedoch höchstens 2 % der Raumfeuchtigkeit abgegeben. Die restlichen 98% Raumfeuchtigkeit werden durch regelmäßiges Lüften nach draußen abgegeben. Die Wände selbst aber müssen luftundurchlässig sein, um Behaglichkeit zu schaffen und Energie zu sparen.

Der notwendige Luftaustausch kann also nur über eine Fensterlüftung oder über eine Lüftungsanlage stattfinden.







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