Lüftungskonzept ist oft Pflicht

Seit vergangenem Jahr gibt es eine neue Richtlinie, die sogenannte DIN-Norm 1946-6. Sie fordert im Neubau und bei vielen Sanierungsprojekten die Anfertigung eines Lüftungskonzepts. Claus Händel, technischer Referent des Fachinstituts Gebäude-Klima (FGK), beantwortet wichtige Fragen zu den konkreten Auswirkungen.

Warum gibt es diese neue Vorschrift?
Claus Händel: Moderne Neubauten und energetisch sanierte Altbauten sind üblicherweiße luftdicht ausgeführt, ein ausreichender Luftwechsel über Ritzen und Fugen ist nicht mehr möglich. Dies ist energetisch absolut richtig, denn man verhinder so unnötige Wärmeverluste. Verzichtet man in solch einem Gebäude aber auf den Einbau eines Lüftungssystems, verursacht man fast zwangsläufig eine zu hohe Luftfeuchtigkeit in den Wohnräumen inklusive überhöhtem CO2-Anteil. Und das ist nicht nur schädlich für die Bausubstanz, sondern auch für die Gesundheit.

Wann muss zwingend ein Lüftungskonzept erstellt werden?
Händel: Bei einem Neubau ist die Überprüfung zwingende Vorgabe. Ebenso im Altbau, falls bei Mehr- oder Einfamilienhäusern mehr als ein Drittel der Fenster ausgetauscht wird oder bei Einfamilienhäusern, wenn mehr als ein Drittel des Dachstuhls abgedichtet wird. In all diesen Fällen hat der Fachmann zu überprüfen, ob eine lüftungstechnische Maßnahme durchgeführt werden muss. Falls dem so ist, muss er eine Planung vorlegen, wie das Lüftungskonzept in der Umsetzung aussehen soll. In diesen Fällen ist der Fachplaner oder Fachhandwerker übrigens verpflichtet, den Endkunden zum Thema Lüftung zu beraten. Andernfalls könnte er vom Bauherr im Nachtrag sogar in Regress genommen werden.

Welche Möglichkeiten stehen für die Installation einer Wohnungslüftung zur Verfügung?
Händel: Die Industrie bietet heute die verschiedensten Lösungen in unterschiedlichsten Preisklassen an. Von bedarfsgerecht geführten reinen Abluftanlagen, die für einen hygienischen Lüftungssystemen mit Wärmerückgewinnung, die der Abluft die Wärme entziehen und damit Heizkosten minimieren. Welches System am sinnvollsten ist, hängt immer auch von den baulichen Rahmenbedingungen des jeweiligen Objekts ab. Im Detail müssen diese Punkte in einer persönlichen Beratung durch den Fachmann geklärt werden. 

Mehr zum Thema gibt’s beim Bundesindustrieverband Deutschlands Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH) informiert im Internet unter www.wohnungslueftung.de zum Thema.

Auszug aus: Heilbronner Stimme, Sonderveröffentlichung “Mein Eigenheim” vom 19.10.2011

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